Evet, ich will!

Filmstart: 01.10.2009  
Originaltitel: Evet, ich will!
FSK: ohne Altersbeschränkung
Verleih: MaXXimum
Laufzeit: 94 Minuten  
Trailer: Klick hier
Regie: Sinan Akkus
Drehbuch:
Sinan Akkus
Darsteller:
Eralp Uzun, Mickey Hardt, Tim Seyfi, Idil Üner, Oliver Korittke, Lale Yavas, Mürtüz Yolcu, Hülya Duyar

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Inhalt: In “Evet, ich will!” begegnen uns gleich mehrere Geschichten über türkische Liebe und/oder Heirat in Deutschland. Da haben wir ein deutsch-türkisches Pärchen, das beide Elternpaare zur Heirat gewogen bekommen muss, ein Kurden und seine liberal erzogene Freundin, die im Prinzip das gleiche Problem haben und einen jungen Türken, der trotz einiger Unterstützung seines Freundes nie den richtigen Zeitpunkt für sein Coming Out findet. Abgeschmeckt wird mit einem leicht verzweifelten Anatolier auf Brautschau zwecks Aufenthaltsgenehmigung (was ihn jedoch nicht hindert, Ansprüche zu stellen) und einer verzweiflungstechnisch ebenbürtigen Steuerfachgehilfin, die – wie alle anderen auch – von Hochzeit träumt, aber nirgendwo einen passenden Partner findet.
Alles spielt sich zu großen Teilen im selben Plattenbau ab, sodass – wie bei Episodenfillmen üblich – immer wieder mit Überschneidungen aller Geschichten zu rechnen ist.

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Unsere Meinung: “Evet, ich will!” erzählt fünf auf den ersten Blick durchaus interessante Geschichten über Einwanderung, Anpassung und Tradition und schafft es gleichzeitig, Romantik und vor allem Humor nicht zu kurz kommen zu lassen. Vor allem die Szenen mit Heinrich Schafmeister sind dabei durch die Reihe weg einfach zum Kugeln. Aber auch der Rest des Casts leistet gute Arbeit und wird den jeweils dargestellten Figuren durchaus gerecht. Allerdings – apropos “Figuren”: Obwohl sie prinzipiell ziemlich sympathisch sind, bleiben die meisten doch relativ blass und können sich nicht davor retten, mehrmals ins klischeehafte abzudriften. Löblicherweise sind die Charaktere aber wenigstens nicht die ganze Zeit über Gefangene ihrer Schablonen. Außerdem ist diese leichte Klischeehaftigkeit auch gar nicht mal das größte Problem (schließlich sind manche Klischees auch nicht ganz unberechtigt, und gerade in diesem Film wirken die meisten überraschend passend). Das eigentliche Problem sind die einzelnen Storys, die alle einen Tick zu konstruiert wirken. Selbst für einen Episodenfilm. Das stört zwar nicht, wenn man ins Kino geht, um unterhalten zu werden, aber es nimmt den Geschichten viel an potentieller Tiefe. Allerdings leidet auch die Unterhaltung etwas, da der Film zwar genug Humor hat, aber in Sachen “Romantik” doch einige Mängel aufweist – der Funke möchte in wenigstens 3 von 4 Fällen einfach nicht überspringen (eine der Geschichten ist nicht romantisch angelegt, kann aber trotzdem – oder gerade deshalb? – überzeugen). Aber es geht ja auch ums Heiraten, nicht um Liebe…

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Fazit: Wer sich von “Evet, ich will” vor allem Komik auf fast durchgängig gutem Niveau erhofft, der dürfte einen vergnüglichen Abend verbringen. Wer zusätzlich Romantik und Tiefe erwartet, sollte eventuell Bereitschaft zeigen, da ein paar Abstriche hinzunehmen. 60/100 Punkten.
(schroed)

Ihr habt den Film gesehen? Dann habt ihr hier die Möglichkeit, ihn mithilfe der Sterne zu bewerten. Vergebt ihr einen Stern, dann hat euch der Film nicht gefallen – bei 6 Sternen wiederum hat er euch begeistert. Die Sterne dazwischen bilden die entsprechenden Abwertungen.

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Verblendung

Filmstart: 01.10.2009  
Originaltitel: Män som hatar kvinnor
FSK: ?
Verleih: NFP
Laufzeit: 152 Minuten  
Trailer: Klick hier
Regie: Niels Arden Oplev
Drehbuch:
Nikolaj Arcel, Rasmus Heisterberg
Darsteller:
Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Lena Endre, Sven-Bertil Taube, Peter Haber, Peter Andersson, Ingvar Hirdvall

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Inhalt: Der ehemals renommierte Enthüllungsjournalist Mikael “Kalle” Blomkvist wird von dem mittlerweile 82jährigen, industriellen Henrik Vanger engagiert, um einen 40 Jahre alten Entführungsfall aufzuklären: Dessen Nichte Harriet verschwand unter nie geklärten Umständen. Blomkvist rollt den Fall neu auf, aber erst durch die unerwartete Hilfe der Hackerin Lisbeth Salander ergeben sich erste Spuren. Spuren, die zu einer fast vergessenen Serie grausamer Morde führen…

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Unsere Meinung: “Verblendung” ist die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers des schwedischen Autors Stieg Larsson und wie der Roman ein typischer “Schwedenkrimi” im Stile von Henning Mankells “Wallander”-Reihe: Ruhiger Grundton, vielschichtige Hauptfiguren mit jeder Menge eigenen Problemen sowie ein durchaus komplexer Plot, der einige Einsicht in menschliche Abgründe bietet und auch den einen oder anderen Hieb auf die Gesellschaft verteilen kann.
Handwerklich entpuppt sich der Film in allen Punkten als lobenswert solide. Die Handlung wird stetig spannend erzählt, wirkt fast nie überhastet und bleibt aller Ruhe zum Trotz immer kurzweilig. Unterstützt wird die Stimmung durch einen passenden und gut im Hintergrund bleibenden Score sowie eine ausgezeichnete Kameraführung mit einigen schönen Weitwinkelaufnahmen des üblicherweise beruhigenden Settings. Und auch schauspielerisch kann “Verblendung” punkten: Alle Rollen wurden passend besetzt und sind überzeugend dargestellt.
Natürlich gibt es auch einige Actionsequenzen, doch gerade gegen Ende werden genau diese zur größten Schwäche des Filmes: Man bekommt den Eindruck, die Handlung würde forciert, um einen ordentlichen Showdown zu ermöglichen. So verfallen die ansonsten durchweg nachvollziehbar handelnden Protagonisten plötzlich einer doch etwas unglaubwürdigen Hektik – die jedoch nötig ist, wenn man die Story nicht einfach mit einem eher unspektatkulären Besuch im Archiv beenden, sondern seinem Publikum doch lieber einen etwas explosiveren Höhepunkt bieten möchte. Das ist zwar durchaus nachvollziehbar, sorgt aber auch dafür, dass die Handlung an dieser Stelle übermäßig konstruiert wirkt. Das ist schade, denn es trübt den ansonsten ausgezeichneten Krimi um einiges. Genauso wie das Ende, dass dann doch einen Tick zu versöhnlich geworden ist. Ein paar Probleme hätte man sich ja durchaus noch aufheben können. Schließlich ist “Verblendung” ja eh’ nur der Auftakt zur “Millenium-Trilogie”.

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Fazit: “Verblendung” ist trotz seines leicht gehetzten Endes ein empfehlenswerter Film für Freunde skandinavischer Krimikost. Allerdings sollte man Zeit und Muße mit in den Kinosaal nehmen – immerhin benötigt die Story ganze zweieinhalb Stunden, um sich zu entfalten. Was sich dann aber da entfaltet hat, ist immerhin 70/100 Punkten wert.
Im Übrigen sind die beiden Fortsetzungen “Verdammnis” und “Vergebung” schon abgedreht und kommen im nächsten Jahr in die Lichtspielhäuser.
(schroed)

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Inglourious Basterds

Filmstart: 20.08.2009  
Originaltitel: Inglourious Basterds
FSK: Ab 16
Verleih: Universal
Laufzeit: 154 Minuten  
Trailer: Klick hier
Regie: Quentin Tarantino
Drehbuch:
Quentin Tarantino
Darsteller:
Brad Pitt, Diane Kruger, Eli Roth, Mélanie Laurent, Christoph Waltz, Daniel Brühl, Samm Levine, Eli Roth, B.J. Novak, Til Schweiger

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Inhalt: Der selbsternannte Detektiv Hans Landa (Christoph Waltz), allgemein bekannt unter der Bezeichnung „Judenjäger“, besucht den Milchbauern Perrier LaPedite, um die Spur einer flüchtigen jüdischen Familie zu verfolgen. Sein Gespür täuscht ihn nicht und die gesamte Familie wird kurzerhand erschossen. Alle, bis auf ein Mädchen, dem die Flucht gelingt. An einem anderen Ort rekrutiert Aldo Raine (Brad Pitt) neue Mitglieder für die Basterds, deren Ziel es ist, Nazis zu töten. Wenige Jahre später verliebt sich der deutsche Kriegsheld Fredrick Zoller (Daniel Brühl) in die attraktive Shosanna. Diese ist Jüdin und jenes Mädchen, das als einzige den Mord an ihrer Familie überlebte. Sie betreibt ein Kino und fasst den Entschluss, sich an den Nazis zu rächen. Zur Hilfe kommt ihr dabei die Neuplanung Joseph Goebbels, die Premiere von „Stolz der Nation“ in ihrem Kino zu feiern.

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Unsere Meinung: Nicht viele Filme wurden schon vor ihrem Start so heiß diskutiert wie Tarantinos „Inglourious Basterds“. Die Meinungen nach der Premiere in Cannes hätten unterschiedlicher nicht ausfallen können. Der Kritik am langen Filmstoff nahm sich Tarantino an. Er verlängerte die Kinoversion noch einmal um 20 Minuten. Ist er damit gut gefahren?
Seine Story ist in 5 Kapitel aufgeteilt, die in chronologischer Reihenfolge erzählt werden.
5 Kapitel klingen nicht viel, sind aber ausreichend. Wichtige Szenen, wie das Eingangskapitel in Frankreich und das erste Erscheinen Hans Lands, oder das geheime Treffen in einer französischen Taverne, versprühen eine Intensität, die den Zuschauer gefangen nimmt. Viele Szenen erscheinen lang  und wollen nicht enden. Doch die Länge, die intensiven Blickkontakte und die Angespanntheit aller Beteiligten entlädt sich urplötzlich und es kehrt vorerst Ruhe ein. Jede – sei sie auch noch so ausgedehnt – Filmszene wird musikalisch eingeleitet oder begleitet. Die Ähnlichkeiten zum Italo-Western sind offensichtlich und kein Geheimnis. Die Szenerie, die Musik, die Story – alles passt. Beinah. Betrachtet man die Darstellerriege, springen einem bekannte Namen (auch viele, inzwischen etablierte, deutsche Schauspieler) ins Auge. Während die Herren (national und  international) allesamt eine gute Figur machen, kann das von Diane Kruger nicht unbedingt behauptet werden. Ihre Darstellung des deutschen Filmstars Bridget von Hammersmark ist enttäuschend. Sie wirkt hölzern und aufgesetzt. Absolut hervorzuheben ist dagegen Christopf Waltz. Die Verkörperung des Hans Landa gelingt ihm beängstigend gut und Hollywood scheint endlich Notiz von ihm genommen zu haben.
Kapitel 5 läutet das „Grand Final“ ein und Tarantino bleibt seinem Stil treu. Die Vorliebe, bekannte Filme in den eigenen Erzählstoff zu integrieren, gelingt auch in „Inglourious Basterds“. Auch der Einsatz von Filmblut kommt – wie immer – nicht zu kurz. Die Kritik, dem neuen Tarantino fehle es an Gewalt, sei dahin gestellt. Es gab schon derbere Szenen in früheren Filmen, aber die buchstäbliche „Keule“ wird auch hier geschwungen.

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Fazit: Eine interessante Story, viele bekannte Gesichter und eine grandiose Leistung von Christoph Waltz machen „Inglourious Basterds“ zu einem wirklich gelungenen Film. Vieles stimmt, eine Sache hinkt: die Synchronisation. Wer kann, sollte sich unbedingt die Originalfassung zu Gemüte führen. Der Wechsel zwischen unterschiedlichen Akzenten ist ein Spaß und geht in der deutschen Kinofassung leider komplett unter. Wer genügend Sitzfleisch hat und ein wenig Geduld mitbringt, wird von Tarantinos neuestem Werk wirklich nicht enttäuscht sein. Gute 80/100 Punkten.
(dw)

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