Willkommen bei den Sch’tis:

Filmstart: 30.10.2008
Originaltitel: Bienvenue chez les Ch’tis
FSK: ohne Altersbeschränkung            
Verleih: Prokino
Laufzeit: 106 Minuten
Trailer: Klick hier
Regie: Dany Boon
Darsteller: Kad Merad, Dany Boon, Zoé Félix, Anne Marivin, Philippe Duquesne, Guy Lecluyse, Patrick Bosso, Zinedine Soualem

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Inhalt:
Der Postbeamte und Südfranzose Philippe Abrams wird unfreiwillig versetzt – zu den Sch’tis, wie die Nordlichter wegen ihres Dialekts genannt werden. Zwei Welten prallen aufeinander! Schnell merkt Philippe, dass er den Sch’ti-Dialekt zwar nicht versteht, die Menschen aber unwahrscheinlich herzlich sind. Allen voran der Postbote Antoine, der bald sein bester Freund wird. Dazu bereitet ihm seine Frau Julie an den freien Wochenenden im Süden den Himmel auf Erden, und er ist im angeblich barbarischen Norden so glücklich wie noch nie. Alles läuft bestens – bis Julie eines Tages beschließt, Philippe vor Ort beizustehen. Der sieht sich nun gezwungen, Antoine und dem Rest seiner Mitarbeiter zu gestehen, dass er sie seiner Frau als unzivilisierte Horde beschrieben hat. Er muss sich schnell etwas einfallen lassen…

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Unsere Meinung: Für uns Deutsche ist das im Film beschriebene Problem vielleicht etwas schwer nachzuvollziehen. Was haben denn die Franzosen gegen den Norden? Ich persönlich saß einmal am Tisch mit acht Südfranzosen und eben auch zwei Franzosen aus dem Norden. Schon vor der Ankunft wurde ich gewarnt: Das seien zwei „ganz schlimme Typen“. Sie würden alle anderen unter den Tisch saufen, komische Witze erzählen und das Schlimmste: Man versteht sie kaum! So nahm der Abend seinen Lauf und leider passten die mir genannten Eigenschaften auf die zwei Franzosen aus dem Norden. Sie tranken viel, die Witze waren wirklich komisch und ihr Dialekt – er hatte mit dem Französisch was ich kenne, leider fast gar nichts gemein. Hinzufügen möchte ich aber noch, dass in Sachen Alkohol und Witze die restlichen Franzosen an diesem Abend keinen großen Unterschied machten.
Nun aber zum Film: Wir bereits oben erwähnt, herrschen eine Menge Vorurteile gegenüber dem Norden. Es wäre dort kalt, die Menschen unfreundlich und dort würde nie die Sonne scheinen. Der Postbote Philippe bekommt all jene Schauergeschichten erzählt und hat verständlicherweise gar keine Lust, seinen neuen Job anzutreten. Im „Sch’ti-Land“ angekommen, gewinnt die Komödie deutlich an Fahrt. Nun werden nicht nur die vielen Klischees aufs Korn genommen, sondern es sorgen vor allem die sprachlichen Differenzen für unheimlich viele Lacher. Ins deutsche konnte der Dialekt natürlich nicht transportiert werden, trotzdem ist die Synchronisation unglaublich gut gelungen. So sprechen die Scht’tis statt einem „s“ ein „sch“ und an das Ende jedes Satzes hängen sie immer ein „hä?“, welches übrigens „tief aus dem Bauch“ kommen muss, um auch wirklich echt zu wirken. Weiterhin haben sie einen etwas eigenartigen Wortschatz, auf den ich an dieser Stelle aber nicht näher eingehen möchte.
Es macht unglaublich viel Spaß, Philippe dabei zuzusehen, wie er immer mehr von diesem doch sehr eigenen Völkchen kennen lernt. Als dann später seine Frau hinzukommt, erreicht die Komödie ihren Höhepunkt und garantiert dann Lacher im Sekundentakt.
Bei all der ganzen Euphorie muss ich dem Film dann aber auch leider einen kleinen Vorwurf machen. Die zwei Hauptkonflikte werden am Ende in so einem irrsinnigen Tempo aufgelöst (innerhalb von vielleicht nicht einmal einer Minute?), dass man sich schon fragen muss, ob hier der Film nicht schnell fertig werden musste? Etwas mehr Liebe zum Detail am Ende wäre also wünschenswert gewesen. Trotzdem wird man von dem Film unglaublich gut unterhalten. Nach dem Film wird fast jeder versuchen, selber ein wenig wie ein Sch’ti zu sprechen.

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Fazit: Also zumindest mich hat auch das Sch’ti-Fieber gepackt. Die Synchronisation ist überraschend gut gelungen und einige Sachen, die einfach nicht zu übersetzen waren, blieben auf Französisch. Die Schauspieler machen ihre Sache unglaublich gut und man kann ihnen deutlich ansehen, dass sie beim Dreh sicher eine Menge Spaß hatten. Vor einer Sache graut es mir allerdings: Will Smith hat angekündigt, dass er gerne einen US-Remake dieses Filmes drehen möchte. Warum beschleicht mich nur das Gefühl, dass dann wieder Brachialwitze an der Tagesordnung stehen werden? „Willkommen bei den Sch’tis“ ist eine überraschend frische Komödie, die – und trotzdem haben sich die Leute im Saal prächtig amüsiert – völlig ohne Sex-Witze, große Prügeleien oder Explosionen auskommt. Sie konzentriert sich nur auf die Charaktere und die hervorragende Situationskomik. Insgesamt verdient der Film 90/100 Punkten. Leichte Abzüge gibt es wegen der ein wenig zu stringenten Handlung und der schnellen Auflösung des Geschehens.
(ts)

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